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Teil 14: Sinai - endlich am Roten Meer und Pause vom Reisen! Endlich sind wir auf der Sinai und beim "riläxen"!Onkel Ari ist richtig geschafft vom vielen Reisen. Wir sind jetzt aber auch total viel und weit gefahren und haben uns eine Pause redlich verdient! Tante Kira schläft ja sowieso immer den ganzen Tag, bei ihr merkt man den Unterschied zwischen erschöpft und ausgeruht kaum. Lucy und ich sind total happy endlich wieder durch die Wüste toben zu können und das Meer zu durchackern. Nicht, dass wir nicht auch wahnsinnig gerne alte Steine anschnüffeln und drum rum rennen, aber Abwechslung ist auch was schönes! Während also Micha und Steffi den Tag über hin und wieder mit viel Ausrüstung im Roten Meer versinken, halten wir unseren Erholungsschlaf, um anschließend Möwenvögel und fliegende Fische auf dem offenen Meer zu jagen. Micha schimpft zwar immer was von wegen Hundshai und gefährlich, aber ich kann mich kaum nicht zurück halten und schwimm oft ganz weit raus! Wir sind übrigens nicht irgendwo auf der Sinai, sondern wieder am Abu Galum! Hier waren wir schon als Junghunde! Die Gegend habe ich sofort erkannt! Schon, weil die Fahrt hier her immer so endlos lange über Waschbrettpiste und durch Sand- und Kiesfelder über Stock und Stein, Berg hoch und wieder runter, an Akazien und Kapernsträuchern vorbei, bis zum Meer führt! Dieses Mal sind wir sogar ohne Reifenpanne durch gekommen! Einen Teil der Strecke durften wir wieder neben dem Bus her laufen und uns austoben. Bei einer Geschwindigkeiten von 8 bis 25km/h ist das auch mehr als ein Klacks! (Auf dem GPS lässt sich so was ganz genau ablesen.) Als wir hier ankamen, waren wir ziemlich erstaunt über die vielen Menschen und Tiere, die derzeit hier wohnen. Letztes Mal waren wir an der Spitze der Landzunge ganz alleine. Dieses Mal sind einige Familien und etliche Kamele, Schafe, Ziegen und sogar Hühnervögel da! Es ist beinahe wie in Griechenland! Da kräht auch morgens der Hahn und die Ziegen meckern den ganzen Tag lang... Hab' ich eigentlich schon Mal genaueres über die Gegend hier erzählt? Nein? Also das Abu Galum ist ein Nationalpark. Was das so genau heißt, weiß ich auch nicht, aber was ich so gehört habe, zahlt eine "EhUh" jedes Jahr viele Millionen Euros dafür. Was dann damit passiert weiß ich auch nicht so genau, aber es sieht so aus, als ob einige Leute dafür bezahlt werden und Autos bekommen, um nach dem Rechten zu sehen. Was das "Rechte" wiederum ist - keine Ahnung. Also wenn unsere Menschen nicht einige Fotos für umsonst an den Park liefern würden, dürften wir hier zum Beispiel nicht parken... Allerdings kommen jeden Tag viele Touristen mit vielen Autos von ägyptischen Reisegesellschaften an einen Platz drei Kilometer weiter südlich, wo getaucht, gegessen und sonst was wird. Die Beduinen, die schon viel länger hier sind, als jeder Israeli oder Ägypter, dürfen hier auch nicht fischen um den Touristen was Leckeres braten zu können. Nur zum Eigenbedarf darf geangelt werden... Micha sagt, dass auch noch eine Menge Ägypter in einem großen Verwaltungsgebäude in Sharm el Sheik angestellt sind, die auch nach dem Rechten sehen. Außerdem schimpft Micha,
dass ausgerechnet die europäischen Touristen - also wir - auch noch einen
teuren Eintritt zahlen müssen um in dem anderen Teil des Nationalparks,
Ras Mohammed, in dem man bis jetzt noch vom Land aus tauchen kann, baden, tauchen
und übernachten zu können.Wenn wir schon bei Touristen sind: Gestern ist hier eine richtige Touristenkarawane eingetroffen! Mit dem Fernglas konnte man sie schon aus mehreren Kilometern Entfernung, oben am Ende des Wadi Bir al Okta ausmachen. 15 Kamele, genau so viele deutsche Leute und mindestens fünf oder sechs Beduinen und zwei kleine Kamele im zarten Alter von vier Monaten. Echt zum Anbeißen! Nachdem sich die Touristen beim Baden abgekühlt hatten, mussten die großen Kamele dann alle zum Waschen ins Meer. Micha hat geschnaubt und gemeint: "So ein Unfug! Alles nur für die Touristen. Ich hab' noch nie einen Bedu unter normalen Bedingungen sein Kamel ins Meer scheuchen gesehen". Wenn ich mich recht erinnere, wurden beim letzten Mal hier einige Kamele samt Taucher in Ausrüstung und Brille mit Schnorchel auf dem Kopf ins Wasser geschickt - für ein Foto, versteht sich. Sonst wollten die Touris nicht viel von uns wissen. Nur zwei waren sehr an unserem Bus interessiert, wie wir reisen und wieso mit so vielen Hunden. Naja, die sind jetzt auch wieder weg. Die Beduinen sind viel neugieriger. Von ihnen bekamen wir gleich am ersten Tag nach unserem Eintreffen Besuch. Steffi meinte, sie wäre heilfroh, dass wir Hunde dabei wären, da ansonsten ruck zuck die ganze Sippe bei uns sitzen würde. Mit unserer Hilfe hielt sich der Besuch in Grenzen und wir hatten selten mehr als drei Beduinen auf unserem blauen Teppich vor dem Bus sitzen. Jeder der sich zusätzlich anschleichen wollte, wurde gnadenlos verbellt - speziell die Kinder! Mit denen habe ich ja seit kürzlich in der Osttürkei kein so gutes Verhältnis mehr. Ich bin dann ganz dankbar, wenn ich mir das Ganze vom Bus aus ansehen kann und in Sicherheit bin - hund kann ja nie wissen, wann ein Stein fliegt! Lucy und Onkel Ari geht es ganz ähnlich, nur Tante Kira ist wie immer völlig unerschrocken und stellt sich breitbeinig und ungestresst allem entgegen. Steffi meinte auch, dass unsere Vorräte so länger halten würden, weil die Bedus natürlich auch wegen dem süßen Saft und den Keksen und so kommen würden. Vor allem die Kinder sind so gefräßig. Als des Abends zwei Beduinen bei uns saßen und uns erklärten, dass sie auf keinen Fall mit Hunden in Berührung kommen dürften, da sonst der Koran siebenmaliges Waschen verlangen würde, kamen unsere Menschen zwecks Themawechsel auf die Idee hier unser altes Autoradio los zu werden. Moderne Beduinen sind nach wie vor mobil und fahren vorzugsweise "Nus(s)nagel". "Nusnagel?", wird sich jetzt so manch einer fragen, der des Arabischen nicht mächtig ist. "Nus" heißt "halb" und "nagel" heißt LKW. Ein Nusnagel ist also ein "halber LKW" oder besser gesagt ein Pickup. Ganz einfach. (Hat mir Tante Kira erklärt) Die beiden Herren mit Kopftuch freuten sich mächtig über das neue Radio und verschwanden damit in der dunklen Nacht. Am nächsten Tag kam die 15 jährige Beduinen-Nadja, die am Vortag die erste war, die sich vorstellte, wieder
und leistete uns Gesellschaft. Sie konnte sogar ein wenig Englisch, obwohl sie
nie eine Schule besuchte. Halb auf Englisch, halb auf Arabisch erzählte
sie, dass ihr Vater vor einiger Zeit verstorben war, ihre Mutter wieder geheiratet
hätte und die Kinder, die ihr stets auf dem Fuße folgten, sich aber
nicht hier her trauten, ihre Halbgeschwister wären. Weil Micha gerade gekocht
hatte, lud er sie zum Essen ein. Onkel Ari verzog etwas das Gesicht, weil es
ausgerechnet "Beduinen-Hähnchen" in Reis, Karotten, Kartoffeln
und Paprika gab! Für gewöhnlich essen wir, wenn es "Beduinen-Hähnchen" gibt,
alle das Gleiche - was also Nadja essen würde, würde bei uns in den
Schüsseln fehlen! Na, auf alle Fälle hat es ihr geschmeckt! Micha gab
ihr anschließend den Auftrag Brot
für uns zu backen und erklärte ihr, dass Steffi davon ein paar Bilder
machen würde, falls sie nichts dagegen hätte.Sie hatte nichts dagegen und Steffi folgte ihr mit der Kamera in der Hand zu ihrer Hütte. Onkel Ari, der ganz stillschweigend hinterher trottete, wurde postwendend zurückgeschickt - das war ja klar, das hätte er sich auch denken können! Zwar war das Beduinenleben hier etwas moderner - Steinhaus und Gasflasche für Feuer - doch das Brot schmeckte echt nach Beduinenart! Schleck! Steffi hatte die tolle Idee morgens immer ein, zwei Fladenbrote in die Hosentasche zu schieben und unterwegs beim Spaziergang eine Snackpause einzulegen. Der tiefere Grund lag allerdings woanders: Sie wollte Lucys und meinen Tatendrang etwas bremsen. Wir rannten ihr zu weit weg in unserem Überschwang... Na, funktioniert hat's. Wir blieben in der Nähe - auch als kein Brot mehr dabei war. Unser Spaziergang lief eigentlich
immer gleich ab: Zuerst "fuß" weit genug von den Beduinenhütten
und den Ziegenherden weg marschieren, dann losspurten, "Geschäft" erledigen,
Brot essen, Kommando abwarten, geradlinig zum Meer galoppieren, hinein springen,
zurück zum Bus schwimmen, aus dem Wasser kommen, schütteln, Brot essen....
und dann am liebsten noch mal von vorne! Überhaupt will ich gar nicht mehr
aus dem Wasser. Heute musste mich Steffi richtig anpflaumen, dass ich mit zum
Spaziergang kam. Ich war schon längst im Wasser und hatte ganz vergessen,
dass ich ja auch mal kacken müsste...Wenn mich Steffi lässt, dann schwimme ich stundenlang im Roten Meer umher! Überhaupt ist mein großer Traum ein mal nach Saudi zu schwimmen! Meistens sieht man von hier aus die saudischen Berge ganz gut und man könnte meinen es sei ein Klacks rüber zu paddeln. Ich komme nur nie so weit! Ständig rufen mich meine Menschen zurück. Nun, ich bin mir auch nicht so sicher, ob die Einreise so problemlos verlaufen würde. Steffi hat mal gesagt, dass alle weiblichen Touristen eine angeheiratete, männliche Begleitperson dabei haben müssen... Micha meinte dass das bei kastrierten Jungfrauen - mit Schwanz (!) - auch nicht einfacher gehen würde... Darüber muss ich noch nachdenken. Vorerst wird dieses Vorhaben mal verschoben. |