Teil 3 Meine Reise in den Orient - Ägypten, Sinai, Rotes Meer
"Endlich
sind wir da! Jetzt kann's nicht mehr lange dauern bis wir endlich baden
gehen können!", dachte ich mir. Weit gefehlt! Jetzt kamen die Ägypter
von Nuweiba zum Zuge und wir mussten feststellen, dass Tante Kira mit ihren
Erzählungen
mehr als Recht hatte. Obwohl Micha einen Agenten zu Hilfe nahm, dauerte
die Grenzabfertigung für Bus, Hänger, mitgeführtem Kompressor,
Fahrrad, Mensch und Hund über drei Stunden. Ätzend! - Fand' Steffi
auch und rannte unentwegt mit uns auf dem Gelände rum. So gesehen
war' s eigentlich ganz lustig... Die Ägypter müssen uns zwar
für bescheuert gehalten haben - aber wen kratzt das schon???
Im Laufe des Tages kamen wir dann doch noch vom Zollhof und fuhren gleich weiter
Richtung Süden nach Dahab. In Dahab hatte Micha schon seit Jahren eine Hütte
angemietet, in der er einen Backofen, einen Kühlschrank und eine Waschmaschine
untergebracht hatte - die nötigsten Dinge eben. Die Hütte stand auf
einem großen,
kahlen Grundstück, das von einer sehr hohen Mauer eingeschlossen war.
Also so hoch, dass auch Micha nicht drüber sehen konnte. Eigentlich war
das kein Garten, so wie man das als Mitteleuropäer kennt - viel mehr war
das Grundstück ein überdimensionaler Sandkasten mit einer einzigen
Dekorations-Palme, die etwas dezentral als einziges Grün neben einer etwas
kümmerlichen Akazie ihr Dasein fristete und gelegentlich einige Datteln
abwarf - manchmal mir auf den Kopf! Ich hab' mir wirklich schon Gedanken gemacht,
ob sie mich vielleicht nicht leiden kann... Möglicherweise liegt auch eine
Verwechslung mit Onkel Ari vor - schließlich pinkelt er sie immer an...
Auf alle Fälle sollten wir also dort die kommende Nacht verbringen. Micha
und Steffi rannten eine Weile mit so menschenspezifischem
Kram wie "Flossen", "Schnorchel" und "Neopren-Anzügen" zwischen
Hütte und Bus hin und her während wir gelangweilt im Schatten lagen. Und
dann kam der Hammer: Steffi und Ari gingen alleine spazieren! Aber damit nicht
genug! Es kam noch viel dicker und ich dachte, jetzt bricht meine Welt zusammen!
Micha und Tante Kira fuhren mit dem Bus - also unserem Haus und Heim - davon! "Oh
Hund! Die verlassen uns! Die setzen uns aus! So wie man das aus Zeitung und Fernsehen
kennt!",
befürchtete
ich und Lucy heulte in ihrer Panik so laut auf, wie sie nur konnte. Ich rannte
an der Mauer lang und versuchte vergeblich einen zweiten Ausgang zu finden, aber
Hundilujah, Onkel Ari und Steffi konnte ich hinter der Mauer erschnüffeln - sie
waren schon wieder zurück.
Onkel Ari versicherte uns zwar, dass unser "Haus" bestimmt auch bald
wieder käme, aber so richtig überzeugt war er wohl selber nicht. Steffi
dagegen machte einen total gelassenen Eindruck. Ich meine, ich war echt froh,
dass die beiden wieder da waren, aber unser "Haus", das vermisste ich
schon gewaltig - schließlich hatten wir hier sonst kein Zuhause -
und kein Zuhause haben, das ist richtig schlimm! Naja, irgendwie ist "Zuhause" ja
in erster Linie dort, wo das Rudel ist... Aber so ein Dach über dem Kopf,
ein dickes Schlafkissen und eine große Edelstahlschüssel für
das Essen ist ja auch nicht ohne... Während ich noch so nachdachte, rannten
Ari und Lucy schon zum großen Tor, weil sie unseren Bus anklopfen
hörten! Noch Mal Hundilujah! Alle wieder da! Völlig umsonst Adrenalin
ausgeschüttet!
Die Nacht verging wie im Fluge.
Am nächsten Morgen dichtete Lucy:
Obwohl des Nachts die Ziegen schrieen,
dazu plärrte ein Muezzin,
Obwohl die Schnaken uns zerstachen,
sich am Meer die Wellen brachen,
Wir schliefen wie die Murmeltiere
und streckten von uns alle Viere...
Und dann noch:
Hättest du mich nicht als Dichter
war' deine Geschichte lichter!
Toller Dichter, mein Zwilling, was?
Kurz nach Sonnenaufgang, machte Steffi mit Lucy, Ari, dem Fahrrad und mir einen
Ausflug an die große Lagune von Dahab. Dort kann man ganz toll Toben!
Und Baden! Und Löcher in den Sand graben!
Die Ägypter und die Beduinen haben ganz schön blöd geguckt,
als wir in einer Reihe, in vollem Galopp die Straßen entlang zur Lagune
gerast sind... und wieder zurück. (Grins!!!)
Am selben Tag noch fuhren wir mit unserem Bus an den Südzipfel der Halbinsel
Sinai. Dort, so Kira, wollten Micha und Steffi Tauchen gehen. Dort gäbe
es gleich mehrere gute Tauchplätze. Lucy und ich hatten keine Ahnung,
was wohl ein "Tauchplatz" war und was uns vor Ort erwartete.
Micha wollte nur noch schnell Brot backen während Onkel Ari mit Steffi
Reis, Milch, Eier, Obst und Gemüse kaufen ging - und schon ging es los.
Dieses Mal fuhren wir nur eine gute Stunde, um an unser nächstes Ziel, Sharm
el Sheik zu kommen. Sharm el Sheik liegt am Südzipfel
der Sinai und ist ein einziger Ferienort. Seltsam sah es hier aus. Weit und
breit nur Wüste
und kahle Berge. Und dann, plötzlich,
wie aus dem Nichts gestampft, taucht eine richtige Stadt auf. Straßen,
Palmenreihen und große Hotels mit Regen im Vorgarten. ??? "Wieso
regnet es hier nur genau auf den grünen Rasenflächen?" wollte
ich wissen. Onkel Ari erklärte mir, dass die Menschen Regen machen könnten.
Und zwar ganz gezielt - beinahe noch genauer, als er pinkeln könne. Da
erinnerte ich mich, dass es in den Orangengärten auch gelegentlich geregnet
hatte, obwohl die Wege trocken blieben... Also konnten die Griechen das auch.
Tolle Sache! Das mit dem Grün
hatte allerdings bald ein Ende. Mit dem letzten Hotel sahen wir die letzte
grüne Fläche. Ab da nur noch Stein und Sand. Ach ja, und ein Polizeiposten,
der die vorbei kommenden Fahrzeuge kontrollierte...
Unsere Menschen haben da einen Bekannten, der gerne hellblaue, rautenförmige
Pillen schluckt... Die mit "Vi" am Anfang und "gra" am
Ende. Die helfen ihm anscheinend im Umgang mit seiner Frau - oder so ähnlich.
Wie das allerdings genau wirkt, das weiß ich nicht. Wahrscheinlich stärkt
es die Nerven...
Nach dem Polizeiposten kam dann noch ein anderer Posten der auch was wollte:
Ein paar amerikanische Dollars als Campingplatzgebühr.
Tante Kira erklärte uns, dass wir jetzt in einem ganz bekannten Tauchgebiet
und Nationalpark waren. Aha. Einen wirklichen Unterschied zu der vorherigen
Landschaft konnte ich spontan nicht erkennen, aber das würde vielleicht
noch kommen. Wir holperten noch ein wenig mit dem Bus über die Piste,
bis wir endlich am Übernachtungsplatz ankamen und uns die Pfoten vertreten konnten.
Ha! Und wie man sich hier die Pfoten vertreten konnte! Wir parkten ganz nah
am berühmten Roten Meer. Lucy stürzte sich sofort in die Fluten
- ich hinterher! Micha, Steffi, Tante Kira und Onkel Ari machten einen Spaziergang
am Strand entlang, wir schwammen die gesamte Strecke hin und wieder zurück!
Naja, eigentlich schwammen wir den tief über dem Wasser fliegenden Vögeln
hinterher. Lucy war manchmal ganz verzweifelt und jaulte auf, weil sie nicht
schnell genug schwimmen konnte, aber es machte irre Spaß! Bald schon
verschwand die Sonne hinter den Bergen und ich hatte einen Bärenhunger!
Steffi holte Lucy und mich mit dem ultimativen "Mädels-es-gibt-was-zu-futtern-Pfiff" aus
den Fluten. Total aufgedreht und patschnass kamen wir angestürmt und wollten
uns auf unser Essen stürzen, da bemerkten
wir den Schwindel! Es gab noch gar nix! Im Gegenteil, da kamen noch fremde
Gäste aus der Wüste, mit denen wir womöglich teilen müssten!
Ich malte mir schon wieder das Schlimmste aus, da beruhigte mich Tante Kira
und meinte, einer der beiden Fremden - Hans hieß er - wäre ein bekannter
Unterwasserfilmer und würde bestimmt nicht viel essen, da er sich ja den
Tag über an den bunten Fischen satt sehen könne... Während ich
so darüber nachdachte, vergaß ich ganz die Sorge um meine Portionsgröße.
Der Abend verging wie im Fluge, wir wurden wider erwarten alle satt. Als
die Gäste spät in der Nacht im Dunkel wieder in der Wüste verschwanden,
sah ich so viele Sterne am Himmel wie noch nie zuvor! Da muss wohl einer vergessen
haben zwei Mal die Hälfte auszuschalten...
Die nächsten Tage verliefen alle gleich: Mit Sonnenaufgang aufstehen,
Strand-Patrouille laufen, baden, in der Sonne liegen, mehrmals täglich
wachend am Bus auf Micha und Steffi, die mit unglaublich viel Kram im Wasser
verschwanden (das ist also Tauchen!), warten, mehrmals täglich den Krach
unseres Kompressors ertragen, wieder Patrouille laufen, Abendessen, schlafen
gehen.... Meistens stürmte es ganz doll. Deshalb schliefen wir auch alle
(bis auf unsere hart gesottene Tante Kira) im Bus. Dort war es zwar ordentlich
warm, aber immer noch besser als draußen die ganze Nacht lang sandgestrahlt
zu werden!
Eines Morgens fingen Micha und Steffi zwecks Abfahrt an, die vielen Dinge,
die sie um unseren Bus herum verteilt hatten, wieder einzusammeln. Da waren
zum Beispiel ganz niedrige Stühle, Sitzkissen, ein Tisch, der immer nur
ganz niedrig, auf etwa der Standardhöhe der Chinesen aufgebaut wurde (eigentlich
genau richtig für uns Hunde...), etliche Kisten mit Tauchausrüstung,
eine elektrische Lichterkette, eine Hängematte, und noch viele andere,
wichtige Dinge mehr, die ich nicht mal benennen kann. Als alles verstaut war,
fuhren wir zurück
nach Dahab. Tante Kira meinte, dass wir dort nicht lange bleiben würden
und sollte Recht bekommen. Wir blieben nur eine Nacht, die Wäsche wurde
gewaschen, Brot gebacken und eingekauft - und dann ging' s schon los Richtung "geheimer
Tauchplatz". Tante Kira erzählte nicht viel. Sie war müde von
der Erholung und meinte
etwas genervt, dass die Fahrt wieder sehr anstrengend werden würde.
Die Fahrt began auf der normalen Asphalt-Straße Richtung Norden, doch
schon bald bog Steffi in die Berge, auf einen Schotterweg ab. Onkel Ari konnte
sich nicht wirklich an die Strecke erinnern, obwohl Tante Kira sagte, dass
Ari schon einmal mit dabei war. Kein Wunder. Für mich roch hier auch alles
gleich. Der Weg wurde immer schlechter und holpriger und wir mussten uns ordentlich
fest halten. Wir waren schon mindestens eine Stunde unterwegs, da hielten wir
an. Ich dachte, wir hätten es geschafft, aber da lag ich falsch. Wir befanden
uns noch immer mitten in den Bergen und Steffi suchte Steine....?!?! Tante
Kira klärte mich auf: Wir hatten einen platt gefahrenen Reifen und die
Steine brauchten unsere Menschen um den Bus hoch zu heben. Genau verstanden
habe ich zwar wieder nicht, aber in der Wüste herum zu tollen machte Spaß.
Etwas später, als Micha in einer großen Pfütze seines eigenen
Schweißes stand, der Ersatzreifen montiert war und wir Hunde längst
dösend im Schatten des Bus' lagen, rief Steffi zur Weiterfahrt auf. Mir kam
es vor, als wären wir schon ewig unterwegs. Mal rutschte unser Bus im
weichen Sand hin und her, mal holperten wir über Felsbrocken. Mittlerweile
fuhren wir am Roten Meer entlang und durch unser verstaubtes Busfenster konnten
wir es in der Sonne glitzern sehen. Dann endlich kam Steffi auf die Idee, dass
Lucy, Onkel Ari und ich auch selber laufen könnten und ließ uns
aussteigen. Whow, war das toll! Auf den schlechten Wegen kam der Bus nur mühsam
voran und wir mussten öfter auf ihn, Tante Kira und unsere Menschen warten.
Nebenher konnten wir durchs Wasser preschen, Vögel aufscheuchen und uns
im Meerwasser abkühlen - es war schon verdammt warm! So ging es etliche
Kilometer, bis uns unsere Menschen wieder in den Bus holten und noch eine weitere
Ewigkeit über irgendwelche Pisten hoppelten. Es war schon fast dunkel,
als Steffi endlich am Strand parkte. Warum wir so weit fuhren, war mir echt
nicht klar. Seit Stunden sah die Gegend gleich aus! Na, egal. Ich war nur noch
furchtbar hungrig. Auf einem kurzen Erkundungsspaziergang am Wasser lang fand'
ich auch gleich etwas Essbares: Trockenfische. Und zwar ziemlich viele! Wir
waren schon fast satt, aber Micha kochte uns später trotzdem noch eine
Portion Reis... Dazu gab es frische Kutteln: Leeeeecker!
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