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Ägypten, Sinai, Wüste
(Teil 4/6)
    
   
  Kühlerpanne
Panne in der Wüste - Kühlwasser in der Wanne...


Die Leute, die wir suchen sind natürlich erst mal nicht da - dafür treffen wir den Sheik der Sippe. 
Faradsch heißt er und ist ein echt netter Mann. Auch wenn man ihn auf über 60 schätzen würde, so alt ist er nicht.  Die Wüste macht die Gesichter schneller alt. Er ist gerade mal 45, trotzdem einer der Ältesten. 
            Sheik Faradsch
 
    Sheik Faradsch und einer der vielen Neffen - oder so.

Es ist dann wie immer: Kaum ist man da, kommen aus dem Nichts und der weiten Wüste plötzlich jede Menge Kinder und Erwachsene angetrabt... 
Beduinen...
"???!"

Die Schals werden gleich doppelt auf den Kopf gebunden und so manch einer krallt sich auch zwei von den Jacken. Wer nicht schnell genug ist, hat das Nachsehen. Was wir leider wenig hatten, waren Kinderkleider.
Als dann alles verteilt und aufgeteilt war, was blitzartig vor sich ging, wurden auch die Hähnchen, das Gemüse und die Früchte, die wir für das Abendessen mitgebracht hatten zubereitet. Fleisch wird hier selten gegessen, meist gibt es nur das Notwendigste. Deshalb freuen sich die Kinder auch immer massiv über so einfache Sachen wie Orangen und Bananen. Bonbons habe ich nur ein einziges Mal für Beduinenkinder mitgebracht. Als ich sah, dass die Verpackung schneller den Boden erreicht, als das Bonbon den Mund, war klar, dass Früchte das geeignetere Mitbringsel sind. Deren Schalen werden von Ziege, Schaf oder Kamel beseitigt - und zwar mit Genuss! 
Familienauto
Einige der Kinder vor der Familienkutsche-  scheinbar das einzige Fahrzeug für mindestens 40 Personen. Zumindest sind so immer genug Leute zum Anschieben da - der Starter funktioniert schon ewig nicht mehr.

Wir als Gäste bekommen den Deckel mit Reis, Gemüse und zwei Hühnerschenkel. Den Rest der vier Hähnchen teilen sich schätzungsweise 30 Erwachsene und Kinder - so genau kann man bei Nacht nicht mehr sagen wer noch da ist und wer nicht. Außerdem essen wir mit den Männern separat. Die Frauen und Kinder essen an der Kochstelle, die Männer haben  ein extra Feuer. Lagerfeuer

.
Nach der langen Fahrt von El Arish zurück in den Süden der Sinai machen wir noch einen Besuch bei traditionellen Beduinen mit Wohnzelt, Feuerstelle, Ziegenherde, Kamel, ohne Strom und fließend Wasser, mitten in der Wüste unter freiem Himmel.
Die Fahrt dorthin führt uns wieder Richtung St. Katharina - mehr über die genaue Lage wird nicht verraten.
Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer Autopanne vorbei, aber geholfen wird schon.Helfer
Aber Helfer finden sich immer!

Kaum sind wir da, gibt es Tee. Den typisch arabischen mit, man könnte meinen mehr Zucker als Wasser. 
Die Bezeichnung "Beduine" lässt sich auf das Wort "Badu" (Bdw) zurückführen, das Herdenbesitzer bedeutet oder "Einwohner der Wüste" ,je nach Quelle. Genau das sind die Leute, die wir besuchen. Zu ihnen verirren sich auch praktisch nie Touristen.  
Tee
Der echte arabische Tee: 2 Handvoll Tee, 5 Handvoll Zucker!

Da wir die Sippe schon länger kennen und wissen an was es, wenn' s Winter wird fehlt, bringen wir allerhand warme Kleidung mit. Die langen Unterhosen und vor allem die Jacketts kommen sehr gut an. Man glaubt es kaum, es ist wie Weihnachten und Ostern zusammen - alle reißen sich um die größtenteils gebrauchten Kleider. 
                     Ajid
   Ajid stellt sich auch gleich für ein Foto mit seiner neuen 
   Gardarobe in Pose - schließlich kommen wir inshalla (so 
  Allah will, wahrscheinlich) wieder und dann gibt's 'nen Abzug.

              Mona, Sheik Faradsch
              Sheik Faradsch mit seiner Tochter Mona 

Als es dunkel wird und wir schon mächtig Hunger haben (der  verflixte ungeschälte Reis braucht mehr als eine Stunde Kochzeit!),  gibt es endlich etwas zu essen. Gekocht wird bei den Beduinen gewöhnlich alles in einem Topf, der dann in Verbindung mit dem Deckel als Teller und Servierplatte dient. Abendessen
Es ist serviert! Unsere Stirnlampen sind übrigens der Renner!

Ich als Gast sitze auch in der Männerrunde und hau' mir nach dem sorgfältigen Händewaschen mit Hilfe der Finger meiner rechten (!) Hand den Bauch voll. Sich ordentlich die Hände unter den Blicken aller zu waschen sollte man nie vergessen. Sonst könnte es das letzte Mal sein, dass man beim Essen aus einem Topf Gesellschaft hat...
Nach dem Essen verschwinden normalerweise alle ziemlich schnell - ohne Verabschiedung. Ziemlich seltsam, aber man gewöhnt sich daran. 
Morgen wollen wir zu einem Kameltrip aufbrechen... 

 

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Copyright Stefanie Möhrle